Eine behaarte Kugel dient ihnen als Kopf. Am entgegengesetzten Ende des Leibes befindet sich ein nicht minder behaarter Schweif, den sie in lichten Momenten als den eigenen wahrnehmen. Dazwischen ist der Körperteil, der ihnen den Namen gab, der Katzenbuckel. Elastisch und biegbar in jede Richtung. Doch eine Frage muss diesbezüglich gestattet sein: welchem Zweck dient es, dass eine Kreatur an ihrem eigenen Anus schnuffeln kann?
Gefragt, was ihnen an Katzen gefällt, antworten deren menschliche Diener unisono, “sie sind so süß”. Eine Gedankenverirrung, die sich im Internet auch auf zahllosen ach-so-herzigen Lol-Cat-Seiten manifestiert.
Was im Detail ist so goldig an den Dachhasen? Die immer aufs neue zum scheitern verurteilten Versuche, ihren tapsigen Pfoten wie Hände einzusetzen? Die Unbeirrbarkeit im Glauben, dass Katzenhasser X sie allen eigenen Beteuerungen zum Trotz unwiderstehlich findet? Ist es das flauschige Fell, dass sie in Wohnung und auf Kleidung ihrer menschlichen Dosenöffner verteilen, wie Löwenzahn seine Achänen? Die murmelrunden Manipulationsinstallationen, gemeinhin als Augen missdeutet?
Was auch immer — es handelt sich um Oberflächlichkeiten. Wenn man eine Frau süß findet, muss man doch auch nicht gleich mit ihr zusammen ziehen und von Liebe geblendet darüber hinwegsehen, dass sie haart, die Tapete zerkratzt und einen auch am Wochenende früh weckt.
Warum also verspüren so viele Zeitgenossen den Wunsch, sich ein Haustier zu halten, dessen größte intellektuelle Leistung im Leben es ist, das Katzenklo als solches zu erkennen?
Weil 1 und 1 immer noch 2 ergibt. Katzen sind Nutten, die sich für keine Anbiederung zu schade sind, wenn sie sich dafür eine gefüllten Futternapf, einen trockenen Schlafplatz und Liebkosungen erschleichen können. Auf der anderen Seite gibt es genug anspruchslose Mitmenschen, die auf die billigen Tricks reinfallen. Katzen und Tierfreunde, Nutten und Freier, Angebot und Nachfrage. 1 und 1.
Was unterscheidet denn Katzen von sämtlichen anderen Haustieren?
– Haaren tun sie alle — ok, bis auf Nacktmulle.
– Am eigenen Hinterteil schnuffeln — können auch alle, bis auf vielleicht ein paar Insekten.
– Bevor sie verhungern alles dafür tun was zu Fressen zu bekommen — Machen sogar Menschen.
Und das Katzenklo ist wirklich bei weitem nicht die größte “intellektuelle” Leistung von Katzen. Unsere Katze z.B. kann sogar aportieren!
Ich würde garnicht unbedingt sagen, dass Katzen zwingend süß sind — Nur solange sie kein sind. Find ich aber nachvollziehbarer als diese absurde Vorstellung bei fast allen Menschen (vor allem Frauen) Das Babies grundsätzlich süß sind. Sind sie nicht. Die sind eklig und nervig. Grundsätzlich.
Aber irgendwie hab ich das Gefühl, die Frage war eh rhetorisch gemeint… =)
Mit Menschenjungen und Katzen verhält es sich in meiner Erfahrungswelt sehr ähnlich: so gut wie alle Zeitgenossen, die ich kenne, geraten in hellste Verzückung beim Anblick runder Köpfe und runder Augen. Da gibt es stets viele “Oohs” und “aahs” zu hören und Augen bekommen einen feucht-verzückten Glanz. Ich fühle mich bei solchen Anlässen immer wie eine Insel der Vernunft in einem Meer der emotionalen Entgleisung.
Meine Schildkröten haben bis jetzt nicht die Unsitte entwickelt, zu haaren. Sie sind nicht nur den Katzen, sondern allen Lebewesen viele Schritte voraus
Die Selbsteinschätzung von Katzen, wann die Gefahr des Verhungerns dräut, ist nur mit “hysterisch” zu beschreiben.
Mich dünkt, eine aportierende Katze ist ein stubenhockerfreundlicher Hund, den man nicht Gassi führen muss
Endlich mal ein guter Artikel, vielen Dank. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Generell finde ich die Seite gut zu lesen und leicht zu verstehen.